Mittwoch, 22. Februar 2012 von Redaktion Alzheimerblog
Meine Schwiegermutter ist stolze 88 Jahre alt, sie lebt mit ihrem 91 jährigen Mann noch fast selbständig in einem Seniorenzentrum in unserer Nähe. Sie behauptet aber viel jünger zu sein („Mach mich doch nicht so alt!“). Wenn ich sie mit Hilfe ihres Geburtsdatums dazu bringe, nachzurechnen, bekommt sie ihr tatsächliches Alter wirklich heraus, ist sehr erstaunt („Das hätte ich nicht geglaubt, daß ich schon so alt bin!“).
Wie lange sie schon dort wohnt, weiß sie nicht. Sie glaubt, daß der Umzug erst vor kurzem erfolgt ist. Wenn ich ihr sage, daß sie schon fast drei Jahre dort wohnt, sagt sie glatt:“Das kann nicht sein, das glaube ich Dir nicht.“
Den Umzug haben beide gewollt, auch eine kleinere Wohnung. Seit dem Einzug beschwert sie sich regelmäßig.“Die Wohnung ist viel zu klein!“ – Vorher hatten sie 75 m², heute haben sie 64 m². Ihr Mann ist mit der Wohnungsgröße völlig zufrieden.
Die früher notwendigen Hausarbeiten erledigt mittlerweile der Eheman, der ihre Demenz trotz ständiger Erklärungen nicht richtig versteht und auf viele ihrer „Macken“ mit Unverständnis reagiert. Erschwert wird die Entwicklung durch seine zunehmende Schwerhörigkeit – „die Batterien für vorhandene Hörgeräte werden geschont.“
Sie redet über zu erledigende Hausarbeiten immer im Plural („Wir machen das schon, wir können das noch.“), ausgeführt wird dann alles vom Ehemann.
Der genaue Zeitpunkt des Beginns der Demenz läßt sich im Nachhinein schwer feststellen, da die beiden damals noch 130 km weit weg wohnten. Ich vermute, daß sich der Beginn mit ihrer Weigerung zu kochen festlegen läßt – das war, als sie 84 Jahre alt wurde. Vermutlich weil sie merkte, daß sie das nicht mehr auf die Reihe kriegt. (Weiterlesen
)
Samstag, 18. Februar 2012 von Redaktion Alzheimerblog
Christian Zimmermann, der 2007, mit 57 Jahren, die Diagnose Alzheimer erhielt, und Peter Wißmann, Geschäftsführer von Demenz Support Stuttgart, legen ein Buch vor, das auf der Grundlage ausführlicher Gespräche entstanden ist. Aus der Perspektive eines Betroffenen im frühen Stadium spricht Zimmermann darüber, wie ihn der Schock der Diagnose traf und wie er gelernt hat mit der Krankheit zu leben. Er berichtet über seine Erfahrungen, gibt praktische Hinweise und will damit Betroffenen Mut machen und Angehörigen, Fachleuten und allen Interessierten die Perspektive Demenzkranker erklären. Seine Ausführungen werden ergänzt durch fachliche Informationen und Überlegungen von Peter Wißmann.
Christian Zimmermann betont immer wieder, wie wichtig es ist, die Krankheit nicht zu verleugnen, sondern zu akzeptieren. Es gibt keinen Grund, sich dafür zu schämen. Er plädiert für einen offenen Umgang mit der Krankheit, im Kreis der Familie, wie auch gegenüber Freunden und Bekannten sowie in der Nachbarschaft. Seine Erfahrung ist: Wer Bescheid weiß, ist in der Regel gerne bereit kleine Hilfen zu geben oder geduldig zu sein, wenn es beim Bezahlen der Einkäufe etwas länger dauert. (Weiterlesen
)
Donnerstag, 16. Februar 2012 von Marita Gerwin
Nichts in der Welt wirkt so ansteckend wie Lachen und gute Laune. (Charles Dickens)
Die Erinnerungen an Karneval zählen zu den fröhlichsten Momenten unseres Lebens: Als Kinder konnten wir es kaum erwarten, uns zu verkleiden und am Straßenrand Süßigkeiten einzusammeln. In der Jugend feierten wir ausgelassen mit Freunden, schmetterten Karnevalslieder und genossen die Leichtigkeit. Wie schön ist es heute, den Garden beim Tanzen zuzuschauen und über die Büttenreden bei einer Prunksitzung zu lachen? Es sind genau jene jecken Momente, Stimmungen und Melodien, für die ältere Menschen empfänglich sind. 
Damit auch die älteren Arnsbergerinnen und Arnsberger am Karneval teilhaben können, organisierte die Stadt Arnsberg in Kooperation mit den drei Arnsberger Karnevalsgesellschaften und dem Seniorenbeirat Arnsberg am Dienstag, 14. Februar, einen Kostümball der besonderen Art. Hier fragte niemand nach dem Alter. Es klingt so selbstverständlich. Ist es aber nicht! (Weiterlesen
)
2 Personen gefällt dieser Artikel.
Stichwörter: Karneval
Dienstag, 14. Februar 2012 von Redaktion Alzheimerblog
Der Autor Tahar Jen Belloun nimmt Abschied von seiner Mutter, die immer mehr der Demenz verfällt. Vom Anfang im Jahr 2001 bis zum Tode der Mutter im Jahr 2007 berichtet er über sich und seine Gefühle seiner Mutter gegenüber. Auch wenn er, der zwar in Fès (Marokko) geboren wurde, aber mittlerweile in Paris lebt, nicht immer bei seiner Mutter sein kann, so lässt er den Leser doch am Leben seiner Mutter teilhaben.
Bei seinen Besuchen redet er mit ihr, hört ihren Geschichten zu, streichelt und füttert sie. (Weiterlesen
)
Freitag, 10. Februar 2012 von Heidi
Führten wir noch unser Pflegetagebuch, würde vielleicht folgender Eintrag zu lesen sein:
Vier Uhr. Ein weiteres nächtliches Umlagern wäre erforderlich. Mutter befindet sich im Tiefschlaf. Kurze Überlegung angestellt: Ist die Windel sehr voll oder könnte ich doch noch ein Stündchen warten? Die Angst vorm Wundwerden werden, steht mir im Nacken. Also sanft wecken. Mutter blickt erstaunt, dann lächelt sie. Windel wechseln. Für uns beide ein anstrengender Vorgang. Und siehe da, es war richtig. Danach ist sie sofort wieder eingeschlafen. Position Seitenlage. Auch ich wende mich beruhigt meiner Matzratze zu.
Sechs Uhr. Umlagern, 30° Drehung. In der Seitenlage kann Mutter etwa zwei Stunden verbleiben, ohne dass Druckstellen sichtbar werden. Zu einer Rötung darf ich es nicht kommen lassen. Soll ich sie jetzt wecken, weil es an der Zeit wäre, sie zu waschen und anzuziehen, damit sie pünktlich zur Betreuungsgruppe kommt? Oder nur kurz Umlagern? Doch lieber raus aus den Federn. Denn wir benötigen im absoluten Schnelldurchgang für die Morgenrituale anderthalb Stunden. Davon mindestens eine halbe Stunde für 400 ccm Flüssigkeit, verbunden mit Husten und Verschlucken.
Wir lassen es lieber gemütlich angehen. Mutter ist zwar ganz schläfrig und kann die Vorgänge nicht einordnen, aber sie fügt sich willig meinen Handlungen. Einige Minuten später sitzt sie, von vielen Kissen gestützt, auf der Bettkante. Wieder eine Weile später nehme ich sie auf. Wir stehen dann so zwei, drei Minuten, damit sie ein Gefühl für ihre Beine bekommt. Dann führe ich sie ins Bad. Unterbrochen von Steh-Pausen, sicherheitshalber vor den vorsorglich strategisch im Flur aufgestellten Stühlen. Falls sie sich doch niedersetzen muss. Ihre Kräfte erschlaffen seit einer Woche von einer Sekunde zur anderen und sie darf mir nicht aus den Armen gleiten. Wie bekäme ich sie allein wieder vom Fußboden hoch?
Dann hat sie geschafft. WC, Waschen, eincremen, Zähne einsetzen. Beim Ankleiden etwas Gymnastik. Dazwischen immer mal einen Schluck Kaffee. Oder auch einen Bissen vom Marmeladebrot. Und ein Lied, bei dem sie mitsummt oder mitsingt. Nun kann es ins Wohnzimmer gehen. Sofa oder Rollstuhl? Es ist noch Zeit für eine Banane oder einen Teller Müsli und eine weitere Tasse Kaffee. Nun auch für mich, während ich Mutter füttere.
Neun Uhr. Frische Serviette um den Hals legen, Mütze auf den Kopf, Jacke an und Mutter in den Rollstuhl setzen. Decke drüber, Stoffbällchen in die sich verkrümmenden Fäuste. Warten auf den Fahrdienst. Mutter ist gerade wieder eingenickt, es klingelt. Ich selbst würde mich am liebsten sofort wieder ins Bett begeben – doch nun beginnt der Tag erst wirklich: mit dem Spagat zwischen Beruf und Pflege. Schnell umziehen und ab ins Büro. Dort begrüßt mich der Abteilungsdrachen mit einem heimlichen Blick auf die Uhr. Ich lächle zurück: guten Morgen!
7 Personen gefällt dieser Artikel.
Stichwörter: Alltag, Beruf und Pflege
Freitag, 10. Februar 2012 von Redaktion Alzheimerblog
“Es gibt ein Leben nach der Diagnose”, sagte Christian Zimmermann in einem Interview mit der Deutschen Alzheimer Gesellschaft.
Er fügt hinzu: „Anfangs fiel ich in ein Loch. Doch jetzt traue ich mir Dinge zu, die ich vorher nicht gemacht hätte.“
Christian Zimmermann, der mit 57 Jahren an Alzheimer erkrankte, und andere Menschen mit Demenz zeigen sich in der Öffentlichkeit. Sie wollen Mut machen. Sie wollen das Tabu brechen und sie werben für mehr Verständnis in der Öffentlichkeit.
Die Rubrik „Menschen mit Demenz“ entstand, weil sich immer mehr Betroffene – im Jahr 2010 etwa 200 - mit ihren Fragen an das Alzheimer-Telefon wenden. Deswegen hat die Deutsche Alzheimer Gesellschaft eine Webseite eingerichtet, auf der Menschen mit Demenz selbst zu Wort kommen können. Sie bietet deshalb auf ihrer Seite die Möglichkeit, Erfahrungen und Wünsche aufzuschreiben.
Mittlerweile gibt es auch Vorträge, Artikel und Bücher, die von Menschen mit Demenz selbst geschrieben wurden. Dort finden Sie eine Auswahl von Beiträgen. (Weiterlesen
)
1 Person gefällt dieser Artikel.
Dienstag, 7. Februar 2012 von wasgibtsdoc
So mancher glaubt nur „was er sieht“.
Wie soll man jemandem begreiflich machen, was man nicht sehen kann?
Die Alzheimer-Erkrankung, als eine Art der Demenz, ist eine Hirnleistungsstörung unterschiedlicher Ausprägung.
Alzheimer ist ein Tabu. Man schämt sich, „so jemanden“ in der Familie zu haben.
Vor Alzheimer hat man Angst. Ist Alzheimer ansteckend?
Viele Vorurteile, die einfach durch Unwissen begründet sind.
Sicher – es gibt viele Bücher, einige Filme, viele Vorträge zu diesem Thema.
Aber – wie kann man sich diese Erkrankung vorstellen? Wie fühlt ein betroffener Mensch? Wie denkt er? Wie verändert er sich? Wie kann man Demenz sichtbar werden lassen? (Weiterlesen
)
4 Personen gefällt dieser Artikel.
Stichwörter: Alzheimer, Assauer, Ausstellung, Bilder, Carolus, Grafiker, Horn, Peter Plettenberg, Spiegeleier, Vernissage, Werbegrafiker
Montag, 6. Februar 2012 von Redaktion Alzheimerblog
Bill ist Witwer, seine Kinder sind untereinander verstritten und auch sein Kontakt zu ihnen ist selten geworden. Hinzukommt, dass er mittlerweile an Alzheimer erkrankt ist und seinen Haushalt nicht mehr richtig selbst erledigen kann.
Doch das Buch ist nicht vorrangig ein Buch über Alzheimer. Es ist eher ein Buch über Konflikte und Missverständnisse in der Familie, die dazu geführt haben, dass der Kontakt der Kinder untereinander und zum Vater kaum noch vorhanden ist.
Auch April, die Enkeltochter, wird von ihrer Mutter als widerspenstig und ungezogen betrachtet . Doch letztendlich ist sie es, die sich mit ihrem Großvater auf eine gewagte Reise nach San Francisco begibt, um ihm damit einen letzten Wunsch zu erfüllen. Man erfährt, wie sie sich durch die Reise mit ihrem Grossvater vom pubertierenden Teenager zur verantwortungsbewussten jungen Frau entwicktelt. Ich fand es recht spannend zu sehen, wie das Kind die Herausforderung der Krankheit des Opas annimmt. Doch sie übernimmt die Verantwortung und wachst daran, bis auch sie erkennen muss, dass ihre Kräfte begrenzt sind.
Es ist ein leichter Familienroman, der dazu geeignet ist, sich dem Thema Alzheimer ein wenig anzunähern. Wer jedoch nähere Informationen oder tiefere Beschreibungen sucht, der sollte sich lieber eines unserer anderen Buchtipps anschauen.
Taschenbuch: 366 Seiten
Verlag: Aufbau Taschenbuch, 2010
ISBN-10: 3746626293
Preis 12,95 Euro
Donnerstag, 2. Februar 2012 von Redaktion Alzheimerblog
Er war ein Macher, ein Vorreiter, der gern und oft im Rampenlicht stand. Rudi Assauer, ehemaliger Manager des Fußball-Bundesligisten Schalke 04, erhielt vor zwei Jahren die Diagnose: Alzheimer. Noch ist ihm die Krankheit nicht anzumerken und er versucht, ein möglichst normales Leben in der Öffentlichkeit aufrecht zu erhalten. Er will sich von der Krankheit nicht unterkriegen lassen und zeigen, dass ein Weiterleben trotz fortschreitender Demenz möglich ist.
3 Personen gefällt dieser Artikel.
Freitag, 27. Januar 2012 von Redaktion Alzheimerblog
„Erste Wahl“, ist ein Zukunftsroman, der verspricht, niemanden nichts anzugehen. Tatsächlich werden wir wohl erleben, was Fachleute prognostizieren: in den nächsten Jahrzehnten werden immer mehr Menschen alt, womöglich pflegebedürftig und dement.
Was wird das aber konkret bedeuten? Wie kann unsere Gesellschaft diese Aufgabe bewältigen?
Kathrin Pläcking, Autorin und Altenpflegerin, die in Freiburg in einer Wohngemeinschaft für Menschen mit Demenz arbeitet, hat in einem tief bewegenden und mutmachenden Roman erzählt, wie es gehen kann. Obwohl das Szenario, das sie entwirft, kühn ist …
(Weiterlesen
)
1 Person gefällt dieser Artikel.