Mit Party-Ballon und Musik

Mittwoch, 16. Mai 2012 von Redaktion Alzheimerblog

© sonja wessel

Meine Mutter wird seit Jahren von meinem Vater gepflegt. Sie ist aufgrund der Demenz sehr unsicher beim freihändigen Gehen; Gymnastik ist nicht mehr möglich. Zu entsprechender Musik genießt sie jedoch geführte leichte Tanzschritte.

Zufällig entdeckten wir, wie gerne sie Zuwerfen mit einem Luftballon spielt. Dabei ist sie erstaunlich beweglich und hat noch immer ihr altes gutes Ballgefühl. Durch die langsamere Fluggeschwindigkeit und die fehlende Verletzungsgefahr ist der Luftballon einem normalen Ball überlegen.

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Dementia-Poetry – Projektbeschreibung

Dienstag, 15. Mai 2012 von Evelyne Weissenbach

Um Texte für Demenzkranke zu schreiben, stellte ich mir ein handwerkliches Grundgerüst auf.
Dafür war es nötig, dass ich mich zuerst über die Krankheit so gut wie möglich informierte.

Auch hier weise ich gerne wieder auf den Unterschied zu Kleinkindern hin, die ja ebenfalls nicht in vollem Umfang über Begriffe und Beschreibungen erreichbar sind.
Doch Kinder können aus dem, was man ihnen erzählt, Fantasien bilden, Situationslücken damit schließen, wenn sie einzelne Worte oder ganze Sätze nicht verstehen. Sie lernen auf diese Art und Weise.

Der Demenzkranke kann nicht mehr lernen und die Fantasie kann ihm keine Hilfestellung mehr geben. Er ist darauf angewiesen, etwas in sich zu finden und daraus eine Erinnerung zu bilden. Die dann vielleicht einen ritualisierten Ablauf in ihm in Gang bringt. (Weiterlesen…)

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TV-Tipp: Kampf um das Erbe, Demenz und Vermögen, 15. Mai

Montag, 14. Mai 2012 von Redaktion Alzheimerblog

ZDF – Der Kampf um das Erbe
22:15-22:45 Uhr

37° – Film von Enrico Demurray und Angelika Wörthmüller

Chefarzt Bernhard Ross ist gerade auf Station, als ihn ein Anruf von der Sparkasse in Ottobrunn erreicht. Die Bankangestellte teilt ihm mit, dass sein 80-jähriger Vater in Begleitung einer Frau 280 000 Euro abheben möchte. Wie sich herausstellt, wird der Vater von der Putzfrau begleitet. Die Auszahlung konnte der Sohn gerade noch in letzter Sekunde stoppen, doch das Geld ist nicht wirklich gerettet: Sein Vater hat es der Putzfrau beim Notar überschrieben. Bernhard Ross ist sofort klar: Niemals würde der 80-Jährige aus freien Stücken sein Vermögen verschenken. Es muss die fortschreitende Demenz sein, die ihn zu diesem Schritt veranlasst hat. (Weiterlesen…)


Musik auf allen Ebenen

Freitag, 11. Mai 2012 von Redaktion Alzheimerblog

Im Café Mozart wollte ich kurz nach 18.00 Uhr noch einen Kaffee trinken, sah auch noch Gäste dort sitzen. Aber das Café hatte eigentlich schon geschlossen. Die Wirtin saß im Gastraum mit am Tisch. Musiker packten ihre Instrumente aus, setzten zur Probe an. Ich durfte noch eine Weile bleiben. Außer den Musikern und der Wirtin bemerkte ich ein Ehepaar, das auch nur zuhörte. Nach einer Weile kamen wir ins Gespräch. Frau Händel (Name geändert) erzählte, dass sie hier jede Woche herkommen dürften. Ihrem Mann– an Demenz erkrankt– ginge es hier so gut. Und tatsächlich bemerkte ich dann, dass er sich an dem Gespräch gar nicht beteiligt hatte, weil er völlig absorbiert war von der Musik. Mit großem gestischem Engagement gestaltete er die Musik nach, sang auch mal mit und strahlte große Vitalität aus. Alle wissen inzwischen, dass Musik für Menschen mit Demenz ein Lebenselixier ist. Die Broschüre „Mit Musik Demenzkranke begleiten“ liefert neben Begründungen für dieses Phänomen viele hilfreiche Tipps, wie man „Musik auf allen Ebenen“ suchen, finden, initiieren kann. (Weiterlesen…)

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Kulturfestival zum Thema Demenz in Köln, 10.-28. Mai

Donnerstag, 10. Mai 2012 von Redaktion Alzheimerblog

Über 60 Veranstaltungen, 25 Veranstaltungsorte, 500 Künstler – das Sommerblut Kulturfestival geht 2012 mit einem vielfältigen und genreübergreifenden Programm an den Start. Das neue Festival-Profil setzt multipolare Akzente und bietet Veranstaltungen in den Bereichen Theater, Tanz, Literatur, Musik, Kabarett/Comedy und in der Kombination aller Genres.

Thematischer Schwerpunkt in diesem Jahr ist Demenz. Die Eigenproduktion „Anderland“ und ein umfangreiches Rahmenprogramm rücken das Schicksal der Betroffenen und die gesellschaftliche Bedeutung von Demenz in den Mittelpunkt. (Weiterlesen…)

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Fundstück: Liebe in Zeiten von Alzheimer

Mittwoch, 9. Mai 2012 von Redaktion Alzheimerblog

Was passiert eigentlich mit der Liebe, wenn ein Ehepartner an Alzheimer erkrankt?

Die Badische Zeitung hat sich diesem Thema mit einer gefühlvollen Reportage gewidmet: www.badische-zeitung.de

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An Allem und Allen zweifeln

Montag, 7. Mai 2012 von Heidi

Ab einem bestimmten Reifegrad streben wir danach, selbstständig zu handeln. Gleichzeitig sind wir abhängig von Leistungen Dritter, bei denen wir uns durchsetzen müssen. Andere um Rat zu fragen, bringt nicht immer die erhoffte Erleichterung. Oft stellen wir fest, der Einzige, auf den wir uns wirklich verlassen können, sind wir selbst.

Durch Erfahrung, Nachdenken und Intuition haben wir uns ein gewisses Maß an Lösungen und Selbstsicherheit angeeignet. Was aber, wenn genau diese Kriterien uns im Stich lassen? Wie fühlt man sich, wenn Gegenstände im Haus verschwinden. Wenn die räumliche und zeitliche Orientierung nicht abrufbar ist. Wenn plötzlich die jungen Leute sagen, man „irre sich“ – das Gesagte stimme nicht, denn die Kinder, für die man gerade kochen wolle, seien erwachsen, die Eltern seien schon lange tot und man solle doch nicht immer wieder dieselbe Frage stellen.

Ich habe in meiner Ausbildung gelernt: „Demenzkranke können sich durch Nachdenken nicht korrigieren“. Meine innere Gewissheit/Überzeugung ist der Maßstab. Ein eigener strenger innerer Richter, der alles Andere außer Kraft setzt. Unverständlichem Widerspruch von Außen muss entschieden entgegen getreten werden, um mein eigenes Rollenverständnis zu wahren.

Während ein junger Mensch jederzeit verlegen oder frech seinen Irrtum zugeben darf, ein Kind weinen und Angst zeigen, vor Wut brüllen, Andere beschuldigen, dabei ungeduldig zappeln darf, befremdet uns solch ein Ausfall bei einem Senioren. Besonders in der Öffentlichkeit. Auf jeden Fall ist sein Verhalten, weil von der Erwachsenennorm abweichend, störend unbequem. Und schon wieder fühlen sich alle Beteiligten in ihrer Selbstsicherheit aus der Bahn geworfen.

Jeder von uns – auch wenn wir es nicht zugeben wollen – braucht Anerkennung und Lob als Nahrung für die Seele, für die Bestätigung unseres Selbstwerts. Wenn Anerkennung und Selbstbestätigung zunehmend von Kritik abgelöst werden, werden die Anderen zu Widersachern, denen man mit Vorsicht, am besten mit Misstrauen, auf jeden Fall mit Verteidigung begegnet.

Allein das Gefühl, gebraucht zu werden, nützlich zu sein, teilzunehmen, kann viel von der Spannung nehmen. Deshalb ist es mir wichtig, Mutter soweit wie möglich und so oft wie möglich in unseren eigenen Alltag einzubeziehen. Wir geben ihr die Gelegenheit, in ihrem Rahmen die noch vorhandenen Fähigkeiten anzuwenden. Wenn wir in einem Streitfall – das fällt manchmal sehr schwer – nicht immer die „Wahrheit“, „was richtig ist“ unter die Nase reiben, tragen wir dazu bei, dass sie spürt, sie wird geachtet und nicht einfach als Versager abgestraft. Denn jede Zurechtweisung, jedes Richtigstellen ist ein Frontalangriff, der Stress auslöst. Wem es wirklich etwas bringt und wohin zuviel davon führt, kennen Sie und ich doch aus unserem eigenen Alltag.

Also, bewusst Fünfe gerade sein lassen. Wenn ein Mensch sich von allein nicht mehr aus dem Rollstuhl erheben kann, gefüttert, gewindelt und nachts umgelagert wird, wie und wann es den Pflegenden angemessen erscheint, wie viele Möglichkeiten hat dieser Demenzkranke noch, sich wertvoll und erfolgreich zu fühlen?

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Dementia-Poetry

Samstag, 5. Mai 2012 von Evelyne Weissenbach

Bei der Vorbereitung für eine Lesung in einem Pflegeheim musste ich die traurige Feststellung machen, dass es FÜR demenzkranke Menschen keine Texte gab.
Man machte mir doch ernsthaft den Vorschlag, ich solle Kinderreime lesen!

Nun kann ich zwar noch akzeptieren, dass Kinderreime eventuell nette Erinnerungen für die Kranken bringen, wenn man sie im Rahmen einer Therapie anwendet.
Wenn Therapeuten Kinderlieder und Kinderreime zur Beschäftigung oder Erinnerung heranziehen.

Aber ich bin keine Therapeutin. Ich bin Autorin.
Und niemals würde ich einem Hörerkreis mit einer solchen Nichtakzeptanz entgegentreten. (Weiterlesen…)

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Was mich die Pflege meiner Mutter fürs Leben lehrte: Das Herz zu öffnen!

Donnerstag, 3. Mai 2012 von Hanni Alberts

Nachdem ich Ihnen bereits von meinen Fortschritten in Sachen Toleranz, Geduld und das Leben im Hier und Jetzt berichtet habe, ist heute Zeit für die Liebe!

Meine Mutter und ich hatten schon immer einen „guten Draht“, eine enge gefühlsmäßige Bindung. Mit ihrer Demenzerkrankung war es dann damit vorbei, keine vertraulichen Gespräche mehr und keine entspannte fröhliche Atmosphäre erfüllte mehr den Raum. Nein, ich stand nun irgendwie allein da mit einem gigantischen Berg an Problemen und meine Mutter weilte in einer entfernten Galaxie.

Durch ihre Demenz reagierte meine Mutter viel stärker auf Emotionen als auf Informationen, da ihr Verstand diese nur schwer verarbeiten konnte. Wenn ich mich ihr auf der Gefühlsebene näherte, konnte ich manchmal wieder ein bisschen dieser Nähe und Vertrautheit spüren, die uns einst verband. (Weiterlesen…)

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Es kommt darauf an, dass die Chemie stimmt.

Mittwoch, 2. Mai 2012 von Redaktion Alzheimerblog

Petra Holk ist seit 13 Jahren Mitarbeiterin der Alzheimer Gesellschaft Bochum. Sie hat große Erfahrungen in der Betreuung von Menschen mit Demenz in Betreuungsgruppen wie auch zu Hause.

Frau Holk, wie verhalten Sie sich, wenn Sie jemand zum ersten Mal zu Hause besuchen?

Der erste Besuch entscheidet meist den weiteren Verlauf. Ich schaue mir sehr genau den Demenzkranken und eventuell dessen Angehörige an. Wenn der Erkrankte nervös, unsicher, verkrampft wirkt, bin ich sehr vorsichtig. Mit viel Geduld versuche ich den Kontakt über die Augen und wenige Worte herzustellen. Wenn Angehörige sagen „Nun rede doch mal…“, bitte ich um Zurückhaltung. Manchmal ist es gut, wenn Angehörige das Zimmer verlassen. Ich nehme Blickkontakt auf, lächle und erkläre, woher ich komme und warum ich da bin. Ich versuche beim ersten Kontakt herauszufinden, was wir gemeinsam tun können, mache vielleicht einen Vorschlag, z. B. spazieren gehen, singen, etwas im Haushalt erledigen, ein Gesellschaftsspiel spielen, Fotoalben ansehen. Dann ist es wichtig, die Augen, die Mimik und den ganzen Körper wahrzunehmen. Strahlen die Augen, kommt Bewegung in den Körper, oder zeigt das Gesicht Abwehr? Mir kommt es darauf an, dass die Chemie stimmt und nicht dass wir gleich loslegen. (Weiterlesen…)

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